Nichtich – Wir

„Die Zeit ist ein flacher Kreis.“
Man muss diese These nicht bestätigen, man muss sie in gewisser Weise akzeptieren, es ertragen. Aber wir ertragen es nicht. Wir ertragen nicht, wer wir sind oder was wir sind. Zumindest nicht ohne den emotionalen Zustand der Liebe. Und bei Liebe beziehen wir meistens jemanden mit ein. Jemanden, bei dem wir sind, ohne uns damit auseinandersetzen zu müssen, weil wir akzeptiert werden. Wir werden geliebt und wir lieben. Ein fast schon solidarisches, ja eher effizientes Prinzip – zwei Personen bedingen sich. Eine Art passiv-aktiv Prinzip.
Und wer man bereits ist, erfährt man irgendwann vom Partner, von einem Freund, von einem Bekannten, einem Verwandten – als letztes erfährt man es selbst.
Und man will es nicht hören, will sich nicht erleben! Ja der Urteilende muss sich irren, woher will er mehr über mich wissen, als ich selbst? Ich bin mir doch meiner Selbst bewusst, ich merke doch, wie ich handle, wie ich bin!
In meinem Weltbild trete ich souverän und fair auf – wie gut, dass die Wahrheit meinem Weltbilde gleicht. Weiterlesen

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Neowelt du Trümmerkotze

Im Epizentrum der Pupillenerweiterung entstand die Hypothese, dass man sich als Hypochonder am Sonntagmorgen auf eins der halboffenen Häuserdächer zu setzen pflegen müsse um sich von der Sonne einen blasen zu lassen und einfach die Sehnerven mit bemoosten Backsteinen zu streicheln. Die in Korrelation gebrachten Fürze wurden mit einem Male in einer der Luftverwirbelungen aufgenommen. Erst war die Realität Gedicht, mehr als das ein Refugium, aber immer mehr, wenn das noch vor Stunden vor Kraft strotzende Konstrukt in seinen Festen zu beben beginnt, hat man nur noch die Trümmer die einen umgeben. Zwischen dem sozialen Wohnungsbau versteckten sich nicht wenig schüchtern, teilweise resigniert, aber nicht verwahrlost, sondern einfach stehengelassen, mehr hingenommen, die fünfstöckigen Lücken des kollektiven Gedächtnisses. Weiterlesen

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Marco Molitor – LOVELY, DARK AND DEEP

Nackt bist du nicht ganz
Du selbst zu fleischig zu angsteinflößend
Dein Bauch zu fett dein Kreuz weibisch nach vorn geknickt
Lila Streifen am Arsch der Körper eine S-Parabel
Nackt bist du bedrohlich alles ausgezogen
Alles verplappert ein Geschlecht ausgebreitet
Auf desinteressierten Laken

Sechs würgende Ascher und ein noch halbvoller Kasten Bier
Auf meinem Balkon da wo nur morgens
Noch morgens die Sonne ist auf meinem Balkon
Den ich seit Wochen nur betrete um noch ein Bier zu holen
Und das Pfand abzustellen so viele
Leere Flaschen war das etwa alles ich Weiterlesen

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Lopech – J

1 Sonntagabend. Anruf. Aufruf. Sophia kam mit vom Westen in den Osten hinters Kino. Rechts rein. Ausgespuckt vom Donnerstag. Gesichter. Eine mit traurigen Augen. Die neben mir sagt, sie sei mehrfach gehandicapt: Schwarz, jüdisch und behindert. Ist ja witzig. Rausschmiss. Rein in unseren Sarg. Die Traurige hatte eine große Nase. Wollte sie anpacken, hatte Muffe, sie fand mich scheiße. Roch gut. Sah reich aus. Sophia fand das alles ziemlich bescheuert. Irgendwer Entferntes wollte nach Portugal, hätte die Nase wiedersehen können. Hab‘s verpasst.
2 Lebte nicht länger in der Bibliothek. Hörte auf mich zu waschen. Nur noch am Basteln in der Fabrik. Staubfiguren im Keller. Klaus fand das bescheuert. Lina kam zu Besuch. Weiterlesen

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C. – Blut & Asche

Klebt die kalte Asche noch an meinem Schuh
Wird sie schon vom Blut bedeckt
Das frische Blut der Frau
Verwischt die Asche ganz und gar

Kaltes Licht der Lampe
Wirft seine Schatten auf das Haus
Die Sonne lügt besonders heut
Als wüsste sie was kommen soll

Zucken um die blauen Lippen
Verrät seine Ankunft in diesem Haus
Und wie Schnee an kalten Wintern
Rieselt Asche ins Gesicht

Die Flammen schlugen hoch und heiß
Die weiße Wand wird schwarz
Die Nacht wird zu Angst
Angst wird zu Licht

Schmeckt die Luft nach Eisen
Das verbrannte Stückchen Erde
Nicht größer als die kleine Wohnung
Der bleichen Frau im Sonnenlicht

So klebt nun an meinen Schuhen
Blut und Asche aus diesen Stunden
Blut gerinnt auf weißen Fliesen
Und Asche fließt den Rinnstein hinab

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Komu – Suche Duschknecht zur ganztägigen Unterhaltung

KS#11 Master 1.3 Druck 3-32

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Marco Molitor – Memphis

Memphis zieht mich an wie eine Frau
Der Traum vom Working Class Man
Aber ihr verkackten Dichter
Habt mich dafür ruiniert

Schwärmen für die eine Liebe und die Wahrheit
Habt ihr meine Unschuld auf dem Gewissen
Mit euren Arschficksonetten

Meine Tagträume werden immer mörderischer
Ich will doch nur verstehen und als Tramp
Durch die Nacht rennen, vielleicht
an ihrem Ende etwas
Bedeutsames finden

Ich bin ein gieriger Mann
Mit einem Hang zur Sucht

Meine Liebe ist eine verzerrte ’72 Telecaster
Und ich verstehe Springsteen besser als Blake

Und mittlerweile
Kann ich euch Confessionals einfach nicht mehr ertragen

Den Arsch voll Tränen und mit einem
Nervenzusammenbruch in der nächstbesten Bibliothek

In Memphis wär das alles einfacher
Die Elite haust schließlich in NYC und Berlin
Da kann ich ihr Schluchzen über Whitmans verlorenen Schwanz
Nur noch undeutlich über dem Jaulen der Kreissäge hören

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SRZ – Niemandsland

Jede Auffahrt ist zermürbend. Man zählt abwechselnd: Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei. Im selben Rhythmus tritt man in die Pedalen. Es ist wichtig, nicht anzuhalten, also sagt man sich – noch bis zur nächsten Kurve, danach noch bis zu dem Baum, bestimmt ist es dann nicht mehr weit. Wie weit man nach oben muss, weiß man aber nie. Und wenn man einmal anhält, tut man es an jeder Ecke. Dann der erste Blick, von ganz oben, hinab auf die andere Seite. Das ist, wenn der Rausch anfängt. Man hat es hier hoch geschafft, ohne einen Motor, auf dem es sich unsere Ärsche bequem gemacht hätten – reine Muskelkraft. Es kitzelt überall im Körper. Der Gedanke an die Abfahrt ist viel zu aufregend. Der Wind, der Geruch und die Geschwindigkeit pumpen durch die Adern. Vierzig, fünfzig, sechzig km/h – jetzt ein Huckel und man würde aus der Bahn fliegen. Egal. Wenn man sich hinstellt, fühlt sich alles noch schneller an. Bevor Adrenalin zur dauerhaften Nahrung werden kann, sind wir schon unten und wir fangen von vorn an. Weiterlesen

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